150 Zimmer und 55 Appartments
Wortreiche SPD-Veranstaltung zum Hotelvorhaben
Erschienen am 08.05.2010 im Inselboten
Offiziell sollen die konkreten Planungen für das Hotel auf dem Grundstück des "Haus Schöneberg" auf einer Einwohnerversammlung am Donnerstag, 3. Juni, im Schulzentrum vorgestellt werden.
Erst dann lägen, so heißt es, die genauen Zeichnungen und Zahlen vor. Auch ein Modell werde dann zur Verfügung stehen.
Für den Ortsverein der SPD war das allerdings zu spät. "Wir sind der Meinung, dass es unsere Aufgabe als Stadtvertreter ist, die Bürger rechtzeitig zu informieren", begründete die Vorsitzende Annemarie Linneweber, warum die Sozialdemokraten bereits am Donnerstag in den Kurgartensaal öffentlich geladen hatten.
"Hotelbau am Südstrand um jeden Preis" war der Abend, zu dem rund 70 Gäste erschienen waren, untertitelt.
Offiziell nicht erschienen waren wie angekündigt Vertreter anderer Parteien, der Stadt sowie Investor und Planer.
Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Michael Schaper, fasste die bekannten Zahlen noch einmal zusammen: So sollen ein "Vier-Sterne-Plus"-Hotel mit 150 Zimmern und großzügigem Wellness-Bereich sowie 55 Appartments in fünf Nebengebäuden auf dem rund 23000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen.
Zur Verdeutlichung hatten die Politiker Lagepläne und perspektivische Skizzen vorbereitet - alles zugegebenermaßen im spekulativen Bereich.
Bevor aber die Gäste zu Wort kamen, erklärte Sabine Gilleßen, die stellvertretende Vorsitzende, den Standpunkt der Wyker Sozialdemokraten.
So halte sie es nicht für glaubhaft, dass so ein Hotel nur wirtschaftlich betrieben werden könne, wenn die Finanzierung durch den Bau und Verkauf von 55 Appartments abgesichert werde: "Es geht hier weniger um das Hotel, sondern um Eigentumswohnungen."
Zudem bemängelte Gilleßen den offiziellen Zeitplan, befürchtete, dass das Projekt "schnell öffentlich durchgewunken" werden soll.
Die Angelegenheit stehe auf den Tagesordnungen des Bauausschusses am 2. Juni und der Stadtvertretung fünf Wochen später.
Allerdings, so war dazu aus dem Rathaus zu erfahren, geht es dabei zunächst um den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan.
Ebenfalls bemängelte die SPD-Politikerin, dass sowohl die Parkplatzfrage als auch die der Personalwohnungen von den Planern angeblich noch nicht berücksichtigt wurde.
Als erster Gast begab sich Nils Peters, der Leiter des "Hauses Schöneberg" ans Mikrofon und machte deutlich, dass sich der "Abstellungsprozess" deutlich anders darstelle, als von den SPD-Politikern berschrieben.
So wurde vor Jahren ein Projektentwickler beauftragt, das Grundstück und das Hotel zu entwickeln. Diese Zahlen wurden der Stadt, dem Kreis und dem Land frühzeitig vorgelegt. Zudem hätten die Appartments die Aufgabe, "die Baumehrkosten durch die Insellage sowie den Fördernachteil gegenüber Mecklenburg-Vorpommern" - angeblich 30 Prozent - "wettzumachen". Peters: "Anders ist so ein Hotel auf Föhr nicht zu realisieren."
Im weiteren Verlauf wurden Befürchtungen laut, dass etwa das Kanalnetz und die Straßeninfrastruktur am Südstrand nicht mehr ausreichten, schließlich spreche man ohne Personal über rund 600 Menschen, die dort untergebracht wären.
Es fehlte deshalb eine Folgekostenabschätzung seitens der Stadt. Auch passe das Vorhaben nicht zum "Villenviertel-Charakter" am Südstrand und 55 weitere Wohnungen wären nicht marktgerecht.
Gefragt wurde ebenfalls, was denn mit der Baumaßnahme der "Schöneberger" in der Boldixumer Straße passiere, wenn das Projekt platzt. Hier erklärte Peters, dass sehr wohl der Fall eintreten könne, dass es dort zu einem Baustopp kommen könne.
Deutlich wurde, dass die Liste der Ängste und Befürchtungen der Gäste lang, konkrete Antworten aber rar waren. Am Ende schossen die Sozialdemokraten dann noch ein wenig übers Ziel hinaus.
Mit der Fragestellung "55 Wohnungen ja oder nein" wollte man per Unterschriftenlisten der komplexen Problematik begegnen. Das rief dann doch noch Wyks Bürgermeister Heinz Lorenzen auf den Plan, der in der letzten Reihe die Veranstaltung verfolgte und "eigentlich" nichts sagen wollte:
"Diese Vorgehensweise halte ich für zu kurz gegriffen." Ohne das Zulassen von Wohnungseigentum habe man auch nicht die Möglichkeit, ein Hotel zu etablieren.
Anmerkungen der Partei:
Der korrekte Name des Fraktionsvorsitzenden lautet Peter Schaper. Michael Schaper war nicht unter den Anwesenden.
Die Rede war von 55 Appartments in neun bis zehn Nebengebäuden.





